Angelika Loderer

Angelika Loderer, geb. 1984 in Feldbach/Stmk., studierte an der Universität für angewandte Kunst in Wien, am Wimbledon College of Art in London und am Hendrix College in den USA. Sie arbeitet vor allem im Bereich der Skulptur; Sie hatte Soloausstellungen in der Secession in Wien, im Grazer, Salzburger und Dortmunder Kunstverein und 2019 in den namhaften Gruppenausstellungen „all natural“ Museum der Moderne Salzburg sowie „über das Neue“ im 21er Haus und im Belvedere und im Kunstraum Innsbruck. 2016 wurde ihr der neu gegründete Dagmar Chobot Skulpturenpreis verliehen. 
Angelika Loderer lebt und arbeitet in Wien.

Foto: Julian Mullan

Poems to Gadgets (Icicles)





Poems to Gadgets (Icicles), 2018, Messing, Metall, Ausstellungsansicht: Grazer Kunstverein, 2018, Graz
Foto: kunst-dokumentation.com

 

 

Die prämierte Arbeit „Poems to Gadgets (Icicles)“ zeigt sechs elegant-bizarre Messingskulpturen, die auf langen, dünnen Eisenstäben balancieren und wie fragile Lebewesen auf schlaksigen Beinen wirken. Es handelt sich dabei um Eiszapfen – eine natürliche und vergängliche Form, die die Künstlerin mit einem aufwändigen Gussverfahren in ihrer Momenthaftigkeit konserviert. Die Eiszapfen verändern ihre Gestalt, wenn sie in feuerfeste Gussformen getaucht werden, sie schmelzen und bilden an den unteren Kanten Wassertropfen aus. Um den skulpturalen Herstellungsvorgang und das Verfahren des Gießens transparent zu machen, belässt Angelika Loderer die Messingskulpturen in ihrer rohen Ursprungsfassung samt Gusskanälen und Trichtern.

Die zarten Objekte mit ihren zerklüfteten Oberflächen wirken poetisch und geheimnisvoll. Die Spannung dieser Werke liegt nicht nur in der Vergänglichkeit des einen und in der Beständigkeit des anderen Materials, sondern in ihrer subtilen Veranschaulichung und in der Materialisierung von Ephemerem.
Gerda Ridler

Begründung der Jury

Angelika Loderers Arbeiten kennzeichnet ein medienreflexiver Umgang mit dem Skulpturalen und Installativen. Sie nutzt etwa jene Werkstoffe, die für die Herstellung von Skulpturen in Metallgießereien benötigt werden, wie Sand und Wachs, und übersetzt sie in zentrale Werkmotive und -strukturen. Oder sie kehrt die in den Gußverfahren verborgenen Mechanismen und verworfenen Materialien ins Sichtbare und sinnlich Materielle. Damit vollzieht die Künstlerin Umstülpungen und Umwertungen konventioneller Vorstellungen und Abläufe. Ihr Affront gegen das Gewohnte zeigt sich in den ungewöhnlichen Material- und Formverbindungen, die sowohl mit der Geschichte der geometrischen Abstraktion wie auch mit jener des organisch Expressiven ihr Spiel treiben. 

Das Spannungsverhältnis zwischen dem Sichtbaren und Unsichtbaren, dem Fragilen und dem Stabilen durchzieht ihr Werk ebenso wie die prekäre Balance zwischen dem präzise Planbaren und dem Unvorhersehbaren und Zufälligem. Die in den Arbeiten spürbare Dynamik basiert auf dieser Verknüpfung des Konträren, wozu nicht zuletzt auch die Gleichzeitigkeit eines medienanalytisch-konzeptuellen Ansatzes mit einer eminent materialbezogenen Werkform zählt. 

Loderer spielt also auf konventionelle Formen und Herstellungsweisen der Skulptur an, bricht diese jedoch im Rückgriff auf die Traditionen der Avantgarde und eröffnet ihr damit zugleich neue und gegenwartsbezogene Perspektiven. 

Mitglieder der Jury 2019

  • Dr. Rainer Fuchs (Chefkurator mumok - Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien)
  • MMag. Alois Kölbl (Hochschulseelsorger und Leiter der Kunstkommission der Diözese Graz-Seckau)
  • MMMag. Hubert Nitsch (Kunstreferent und Diözesankonservator, Linz; Kurator im Kunstraum St. Virgil, Salzburg)
  • Mag.a Hemma Schmutz (Direktorin, Museen der Stadt Linz)
  • Dr. Margit Zuckriegl (Kunsthistorikerin und Ausstellungskuratorin Salzburg/Wien)

20 Einreichungen

Zwölf Expert/innen für zeitgenössische Kunst in Österreich waren von der Jury des Kardinal König Kunstfonds eingeladen, vielversprechende künstlerische Talente vorzuschlagen. Die 20 für den Kardinal König Kunstpreis 2019 nominierten Künstler/innen stammen aus Österreich, Deutschland, Südkorea, Rumänien und China; sie leben in Österreich, haben hier studiert, ausgestellt und sind somit Teil der heimischen, aktuell sehr aktiven Kunstszene geworden. In der diesjährigen Auswahl zeigte sich ein weiteres Mal, dass mit der Beobachtung der Expert/innen ein kompetenter Überblick über das gegenwärtige Kunstschaffen in unserem Land gewährleistet ist. 

Bei den eingereichten Arbeiten springt die Thematisierung des Aktes der Wahrnehmung ins Auge: Wie wird Kunst heute gesehen, wo passiert Kunst, und wie wirken künstlerische Positionen auf den Betrachter/die Betrachterin? Und es fällt, neben konzeptuellen, installativen und plastischen Arbeiten, die Bedeutung von neuen Malereien auf. Sie eröffnen, einen sinnlichen Wahrnehmungsraum voll Erotik, Vehemenz und Körperlichkeit.

Nominierte Künstler/innen 2019

Ovidiu Anton, Maria Anwander, Alfredo Barsuglia, Kamilla Bischof, Sarah Decristoforo, Melanie Ender, Thomas Geiger, Johannes Gierlinger, Marlene Hausegger, Claudia Larcher, Angelika Loderer, Ulrich Nausner, Katherina Olschbaur, Anja Ronacher, studio ASYNCHROME,  Julian Turner, Andreas Werner, Hui Ye, Min Yoon, Antoinette Zwirchmayr

Der Festakt zur Preisverleihung 

findet traditionellerweise am 27. November in St. Virgil Salzburg statt. Zeitgleich wird die Ausstellung mit den eingereichten Werken aller nominierten Künstler/innen eröffnet, die bis zum 29.01.2020 zu sehen ist. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog (Müry Salzmann Verlag), der ebenfalls im Rahmen des Festakts präsentiert wird. Ermöglicht wurde der Katalog durch die Unterstützung der Deutschen Bank und Würth Österreich.

Kontakt: Dr. Antonia Gobiet,
office@kardinalkoenig-kunstpreis.at
Mobil:+43 (0)664-1188118