Michèle Pagel

Michèle Pagel, geb. 1985 in Werdau (D) studierte Bildhauerei in Leipzig, Mailand und Wien und diplomierte 2012 bei Julian Göthe an der Akademie der bildenden Künste Wien. Zwischen 2009 und 2014 unterrichtete sie bildhauerische Keramik an der Kunstuniversität Linz. Ihre Werke sind europaweit in Gruppen- und Einzelausstellungen zu sehen, unter anderem im Österreichischen Kulturforum Moskau, in der Startgalerie des MUSA Wien und in der Galerie Meyer Kainer. Michèle Pagel lebt und arbeitet in Wien.

 

Das prämierte Werk

 

 

 

 

 

 


Michèle Pagel, Crrreature Of Habit / Das Glück ist ein Vogerl, 2021, Glasierte Ziegelsteine, Klebemörtel, Metall, Lack, Beton, Zimmerspiegel, 200 x 110 x 80 cm, © Courtesy Meyer Kainer, Vienna

 

 

 

 

 

 

 

Die mit dem Kardinal König Kunstpreis ausgezeichnete Installation Pagels trägt den Titel Crrreature Of Habit aus der Werkserie Das Glück ist ein Vogerl (2021). In ihrem Zentrum sitzt ein lebensgroßer männlicher Pfau hinter einer freistehenden Zauntür, der in einen wiederum hinter ihm positionierten Vorzimmerspiegel blickt. Wie viele andere Skulpturen Pagels ist auch der Pfau aus Ziegelsteinen gefertigt, die vor dem Brennen und Glasieren in die jeweilige Form geschnitzt werden. Das Tier, das den Blick vom eigenen Spiegelbild nicht abwenden kann, scheint in einem selbstgewählten Gefängnis zu verweilen. Den Betrachter/innen hat das Tier den Rücken zugewandt. „Sie können dem Pfau nur im Spiegel in die Augen blicken - und sehen sich selbst dabei hinter Gittern“, so die Künstlerin über ihre Installation, die in ihrer allegorischen Doppelbödigkeit gleich mehrere Gefangene macht.

 

Begründung der Jury

Die Jury hat sich beim diesjährigen Kardinal König Kunstpreis einstimmig für die Arbeit der Künstlerin Michèle Pagel ausgesprochen.


Die 1985 in Werdau (D) geborene Michèle Pagel überzeugt mit ihrer eingereichten Arbeit Crrreature Of Habit / Das Glück ist ein Vogerl, die als Teil einer installativen Werkserie entstanden ist. Inhaltlich subtil verhandelt sie durch die Symbolik des sich (und uns) im Spiegel ansehenden Pfaus Themen wie Macht, Schönheit, Freiheit, aber ebenso die Frage nach den fragilen und flüchtigen Beziehungen in der heutigen Zeit, die durch das rostige, uns abweisende Gartentor sich förmlich aufdrängt.


Pagel bedient sich hier neben den vorgefundenen bzw. -gefertigten Gegenständen keramischer Techniken. Der aus geschnitzten Ziegelsteinen zusammengesetzte, bemalte, gebrannte und glasierte Pfau dient Pagel zudem als künstlerisches Zitat der Geschichte der Kunst der Moderne (Picasso), andererseits deutet die Verwendung und Bearbeitung von Ziegelsteinen als Referenz auf ihre Auseinandersetzung mit Architektur hin. Im räumlichen Setting mit dem Gartentor und dem Spiegel werden die Betrachter/innen in dieses Spiel von Darstellungsmodi involviert oder distanziert. Wir sehen uns und den Pfau zusammen erst durch das Medium des Spiegels. Pagel schafft es, eine Stimmung zu erzeugen, die im Hinblick auf den Titel eine ganze Reihe an weiteren Assoziationen zulässt. Pagel stellt uns Creatures of Habit, also Gewohnheitstiere, mit ihren Vogelinstallationen vor, die sich im Spiegel ihrer Schönheit – und damit ihrer Macht - vergewissern und sie am liebsten festhalten wollen. Dieser erste Eindruck wird dann durch den Untertitel Das Glück ist ein Vogerl konterkariert. Dieser einem Wienerlied entnommene Titel steht für Achtsamkeit sowie für die Wertschätzung des Moments und das Bewusstsein um die Vergänglichkeit des Lebens.


In der eingereichten Rauminstallation macht Pagel ihren spielerischen, auch humorvollen Zugang zur Kunst sichtbar, der von einer konsumkritischen, politischen und feministischen Haltung geprägt ist. Ihre frühen eigenen gesellschaftlichen und politischen Erfahrungen in der Zeit nach der Wende und dem Studium in Leipzig, ihre Auseinandersetzung mit der Arte Povera und den Themen des Feminismus fließen in ihre Arbeit ebenso ein wie ihre Lehrtätigkeit in Linz und die Auseinandersetzung mit Keramik als mögliches Ausdrucksmittel. Pagel steht für eine neue Generation an Künstler/innen, die sich die symbolträchtigen Versatzstücke der ganz persönlichen Lebensrealität spielerisch aneignen, sie analysieren, dekonstruieren und durch oft gängige Techniken des Reproduzierens in künstlerische Räume übersetzen. Pagels Arbeit lässt die hohe Qualität ihres künstlerischen Handelns gänzlich sichtbar werden, und daher erscheint sie uns als die beste Wahl für den diesjährigen Kardinal König Kunstpreis 2021.


Harald Krejci im Namen der Jury 2021

 

Mitglieder der Jury 2021

•    Dr. Rainer Fuchs (Chefkurator Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig - mumok)

•    Mag. Harald Krejci (Chefkurator Belvedere)

•    MMMag. Hubert Nitsch (Kurator, Kunstreferent und Diözesankonservator)

•    Mag. Hemma Schmutz (Direktorin der Stadtmuseen Linz)

•    Dr. Margit Zuckriegl (Kunsthistorikerin und Kuratorin) an.

 

Nominierte Künstler/innen 2021

Iris Christine Aue, Sasha Auerbakh, Cäcilia Brown, Melanie Ebenhoch, Hélène Fauquet, Denise Rudolf Frank, Katharina Gruzei, Marlene Hausegger, Anastasia Jermolaewa, Demian Kern, Tina Lechner, Simon Lehner, Monica C. LoCascio, Michèle Pagel, Rade Petrasevic, Linus Riepler, Esther Strauß, Sophie Thun, Julian Tromp und Dario Wokurka.

 

Der Festakt zur

Preisverleihung, Katalogpräsentation und Ausstellungseröffnung finden am Sonntag, 23. Jänner 2022, 18:00 Uhr in St. Virgil, Ernst-Grein-Straße 14, 5026 Salzburg statt. Die Ausstellung zum Kardinal König Kunstpreis ist von 28. November 2021 bis 28. Jänner 2022 im Kunstraum St. Virgil zu sehen.


Ansprechpartnerin


Dr. Antonia Gobiet

Geschäftsführerin Kardinal König Kunstfonds

antonia.gobiet@kardinalkoenig-kunstpreis.at

Mobil: +43664/1188118

www.kardinalkoenig-kunstpreis.at